Joby Joppen
"Kinderarbeit ist kein isoliertes Problem. Es ist ein Problem der ganzen Welt", erklärt Kailash Satyarthi (Gründer des südasiatischen Bündnisses gegen Kindersklaverei (SACCS)). "Sowohl auf internationaler Ebene als auch bei den einzelnen nationalen Regierungen vermissen wir den politischen Willen, die Mißstände der Kinderarbeit zu verändern. Wir fordern von allen Regierungen die klare Verpflichtung und den eindeutigen Willen, gegen Kinderarbeit vorzugehen."Der weltweite Global March
Zum Global March starteten im Januar diesen Jahres Kinder und Jugendliche mit ihren Begleitern aus verschiedenen Kontinenten - Asien, Südamerika und Afrika. Von überall her kamen sie: aus Indien, Mexiko, Bangladesch und vielen anderen Ländern und zogen auf verschiedensten Wegen nach Genf. Hier fand am 2. Juni die 86. Konferenz der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO) statt, die für eine neue Konvention gegen jegliche Formen der Kinderarbeit kämpft. Mit ihrem Marsch wollten alle Beteiligten nicht nur auf die Situation der Kinder der sogenannten "Dritten Welt" aufmerksam machen, sondern auch andere Menschen, vor allem Politiker und Regierungen zum aktiven Handeln bewegen. Im Juni hat die ILO über neue Gesetze beraten, die die Kinder weitgehend vor der grausamen Ausbeutung schützen sollen. Die betroffenen Kinder sind die Opfer, ob zur Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft oder Prostitution zu alledem werden sie gezwungen. Doch mit dem Global March haben sie nicht nur auf ihr persönliches Schicksal aufmerksam gemacht, sondern auf das von etwa 250 Millionen Kindern auf der ganzen Welt.In Remscheid
In der letzen Ausgabe von "Meine Welt" im Juni ist bereits über den Global March und seinen zahlreichen damals noch bevorstehenden Aktionen auf der ganzen Welt berichtet worden. Ebenfalls wurde erwähnt, daß auch viele Städte innerhalb Deutschlands an dieser Initiative teilnahmen. Remscheid zählt zu einer dieser Städte, die den Global March aktiv unterstützten.Aus einer Initiative des Kulturservice der Stadt Remscheid und der Deutsch-Indischen Gesellschaft Remscheid entwickelte sich eine Bildungskampagne für die Kinder in Zusammenarbeit mit der Ev. Stadtkirchengemeinde, der Kath. Kirchengemeinde St. Suitbertus, dem Infoladen "Unsere Welt", UNICEF, EAPRA (Europäisch-Afrikanische Partnerstadt Radevormwald e.V.), RAA (Regionale Arbeitsstelle zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher), IKE (Förderverein für interkulturelle Erziehung e.V.), Kinderschutzbund, die Wiege e.V. sowie Remscheider Schulen.
Den offiziellen Auftakt leitete Oberbürgermeister Reinhard Ulbrich, der auch gleichzeitig der Schirmherr der Aktionen und erster Vorsitzender der Deutsch-Indischen Gesellschaft Remscheids ist, ein. So "unterzeichnete" er Anfang April im Rathaus zusammen mit einigen Kindern durch seinen Daumenabdruck eine Resolution gegen die Kinderarbeit. Diese Art von Unterschrift war ein sichtbares Zeichen der Solidarität zu den betroffenen Kindern. So waren die Remscheider Schulen über die Aktivitäten informiert und zu einer Mitarbeit animiert worden. Das Thema "Kinderarbeit" stieß auf großes Interesse, d.h. Schüler und Lehrer setzten sich bis zum Aktionstag im Mai intensiv mit dem Problem auseinander. Das Ergebnis: 17 Schulen beteiligten sich an diesem Vorhaben.
Viele unterschiedliche Aktivitäten waren für diesen Tag geplant. Infostände, wie z.B. die der Deutsch-Indischen Gesellschaft, der Unicef, EAPRA oder von den Kirchengemeinden informierten die Menschen über bereits vorhandene Projekte. Denn viele der Initiativen setzen sich bereits seit Jahren für das Anliegen der Kinder ein. Während z.B. die katholische Kirchengemeinde St. Suitbertus in Brasilien ein Straßenkinderprojekt unterstützt, arbeitet die Deutsch-Indische Gesellschaft Remscheid für die Förderung der Vivekananda Schule in Dehra Dun in Nordindien (eine Dorfschule mit Modellcharakter).
Das Ergebnis der Initiative wurde vor allem durch die Solidaritätsaktion, Daumenabdrücke zu sammeln, erkennbar. Mehr als 4500 Abdrücke konnten insgesamt zusammengetragen werden. Diese "Unterschriften" überreichte eine Remscheider Delegation der Asiengruppe in Hattingen.
Denn an diesem Ort kamen einige Kinder und Betreuer aus den drei Global March Gruppen zusammen, um von dort aus nach Genf weiterzuziehen. Die Remscheider Delegation schloß die "kleinen Global Marcher" sofort ins Herz. Es kam zu einer spontanen Einladung nach Remscheid. Helma Ritscher (Geschäftsführerin der Deutsch-Indischen Gesellschaft) erzählt:
"Die persönliche Begegnung mit diesen Kindern setzte Zeichen der Freundschaft, insbesondere zu den Kindern aus Indien und Bangladesch. Bemerkenswert war es auch, daß unser Oberbürgermeister diese Kinder im Remscheider Rathaus begrüßte und für diese Begegnung sogar wichtige Termine ausfallen ließ."
Wie geht es weiter?
Doch was hat der Global March nun wirklich bewirkt? Wie sieht die Zukunft für die betroffenen Kinder nach dieser weltweiten Protestaktion aus?Auf der ILO Tagung in Genf ist von den beratenden Staaten der erste Entwurf eines Übereinkommens über den Verbot und die unverzügliche Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit aufgenommen worden. Die neue Konvention besitzt den Status eines "vorrangigen Übereinkommens". Dies verpflichtet die Unterzeichnerstaaten regelmäßig über die Umsetzung der Forderungen zu berichten. Außerdem erhält die ILO das Recht, die einzelnen Länder jederzeit nach diesen neuen Gesetzen hin zu überprüfen.
Frau Joby Joppen lebt in Remscheid und studiert Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Indologie an der Universität zu Köln.